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WAYUP Magazine, CD Review & Interview with Veronica Freeman

CD Review

BENEDICTUM
Seasons Of Tragedy
(Locomotive/Soulfood)

Bereits nach dem ersten Hören ist klar, daß BENEDICTUM die eindrucksvolle Leistung auf "Uncreation" mehr als nur wiederholt haben (womit ich vollauf zufrieden gewesen wäre). Die neuen Songs klingen geschmeidig, manchmal fast ein wenig aristokratisch. Stücke wie "Bare Bones" oder mein derzeitiger Favorit "Beast In The Field" sind elegant, modern und traditionell zugleich, darüberhinaus abwechslungsreicher und können besser atmen. Bezeichnend für die Qualität dieser exzellenten Scheibe ist, daß die namhaften Gastmusiker bei der Beurteilung von "Seasons Of Tragedy" kaum genannt werden. Insgesamt bestätigt und verstärkt sich der Eindruck, den das Debüt hinterließ: BENEDICTUM besitzen einen ausgeprägten eigenen Charakter, der mit Sicherheit trotz neuem Drummer und Keyboarder auch weiterhin voll zur Geltung kommen wird. M.Sch.

Interview with Veronica Freeman

BENEDICTUM - Gesegnet mit Charakter

Veronica Freeman ist ein Naturtalent mit einem Organ wie Donnerhall. Ihre Band BENEDICTUM (Segnung) unterstreicht auf ihrem neuen Hammeralbum "Seasons Of Tragedy", daß sie zu den stärksten amerikanischen Metal-Acts zählt. Ein Gespräch mit der vor Lebensfreude sprühenden Veronica war somit überfällig. 

Wann hat Musik dich gefunden?
Das hast du schön gesagt! Vor vielen Jahren durch Craig Goldy (Ex-DIO, auf beiden BENEDICTUM-CDs zu hören), mit dem ich zur Schule ging und ständig zusammen rumhing. Durch ihn kam ich zum Metal, und er drängte mich, zu singen, indem er sagte: "Deine Stimme wäre perfekt dafür!" Ich liebte die Energie und die Power und legte einfach los. Irgendwann traf ich Pete Wells, der seitdem mein Songwriting-Partner ist. Wir spielten in mehreren Bands, aus denen sich schließlich BENEDICTUM herauskristallisierte.

Deine Stimme ist wahrlich beeindruckend. Es war sicher nicht einfach, das richtige Mikrofon zu finden.
Stimmt, das hat eine Weile gedauert, aber das Schwierigste war, Leute zu finden, die im Studio mit meiner Stimme arbeiten können, etwa beim Einspielen von Demos.

Wie meinst du das?
Früher zogen die Techniker immer automatisch die Regler auf, weil sie dachten: "Oh, da singt eine Frau! Die kann keine starke Stimme haben." Als ich loslegte, knallte alles durch, haha! Ich habe lange gebraucht, bis ich jemanden fand, der mit der Dynamik meiner Stimme zurechtkam. Was mich angeht, ist Jeff Pilson (unter anderem Ex-DOKKEN- und -DIO-Bassist) perfekt! Was Mikros betrifft, da kommt es sehr auf die Art und den Charakter der Stimme an. Auf der DORO-Tour gab ihr Mikro mal den Geist auf. Ich lieh ihr meins, und für uns, die wir im Publikum saßen, war der Unterschied gravierend. Mir gefiel sie über mein Neumann besser!

Bereits beim ersten BENEDICTUM-Album "Uncreation" bekam man den Eindruck, daß ihr genau wußtet, was und wohin ihr wolltet. Das ist bei Debütwerken nicht unbedingt die Regel. Viele Bands suchen darauf erst noch ihren Weg.
Schön, daß du das erkannt hast! Jeff half uns bei den Arrangements und der Umsetzung, aber unser Sound war im Prinzip schon da; der Sound, die Richtung und der Vibe. Als wir anfingen, hieß es, wir klängen recht europäisch. Damals habe ich das nicht verstanden, mittlerweile habe ich mehr darüber erfahren und kann es nachvollziehen. Wichtig scheint mir auch, daß wir immer gewillt waren, mehr über das Schreiben und Arrangieren zu lernen.  

In meinem Review habe ich euren Stil als "geschmeidig, manchmal sogar ein wenig aristokratisch" bezeichnet...
Hahahaha! Das paßt für mich!! Gut gesagt! Sehr nett, danke schön!  

Passend zu eurem verfeinerten Stil kommt dein Gesang natürlicher und viel variabler rüber.
Das war das Ziel. Meine Stimme hat viele Facetten, und die wollte ich auf diesem Album etwas mehr zeigen. Ich habe allerdings stets darauf geachtet, dies so zu tun, daß die Songs davon profitieren, also an den richtigen Stellen. Wir hatten diesmal auch etwas mehr Zeit. Das hat sich auf alle Fälle positiv bemerkbar gemacht. 

Mir gefällt übrigens auch euer Name. Ist mal was anderes und vor allem nicht so klischeehaft.
Dabei mochten wir den Namen zuerst gar nicht! Wir hießen ursprünglich BOUND, aber das Label mochte den Namen nicht. Der Song "Benedictum", der ja auch auf "Uncreation" ist, war einer von drei Songs auf dem Demo, mit dem wir uns um einen Plattenvertrag bewarben. Als wir uns für Locomotive entschieden, meinten sie: "Euer Name ist nicht kraftvoll genug. Wie wär´s mit BENEDICTUM?" Zunächst konnten wir uns damit so gar nicht anfreunden, weil Lateinisch und so, haha. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, und jetzt gefällt er mir auch.  

In "Nobody´s Victim" behandelst du ein ähnliches Thema wie in "Them" vom Debüt: Selbstbestimmung aus der Sicht einer Frau.
Ja! Das ist für mich eine Art Frustbewältigung nach negativen Erfahrungen, wenn ich von jemandem enttäuscht, verletzt oder sonstwie schlecht behandelt werde. Niemand kann immer nur das Opfer sein!

Durch negative Erfahrungen wächst man aber auch.
Das ist genau richtig. Wir werden, wer wir sind, durch die Art und Weise, wie wir mit solchen Dingen umgehen. Deshalb bin ich so froh, daß ich schreiben kann: Es ist für mich wie eine Therapie! 

Im Titelstück "Seasons Of Tragedy" singst du: "You can find your humanity." Hast du deine Menschlichkeit gefunden?
Ich würde sagen, ich bin jeden Tag auf der Suche nach dem höchsten Grad an Menschlichkeit. Den zu finden ist mein Ziel. Du kannst nie sagen: "Ich habe ihn gefunden! Die Suche ist vorbei!" Es ist ein Prozeß. Du kannst nur versuchen, der bestmögliche Mensch zu sein. An manchen Tagen gelingt mir das besser als an anderen, aber ich betrachte es mehr als die Reise des Lebens. Du mußt tief in deinem Herzen daran glauben, daß du deine Menschlichkeit finden kannst. Du mußt daran glauben, daß du ein besserer Mensch werden kannst und deinem persönlichen Weg folgen. Und der sieht bei jedem anders aus. Und er beginnt IN dir!

Wie wichtig sind Texte allgemein für dich, als Musikfan und als Künstler?
Auf gute Lyrics bin ich schon immer abgefahren. Ich war immer ein großer RUSH-Fan. Natürlich wegen der Musik, aber vor allem wegen der fundierten Texte. Bei jeder neuen Platte nehme ich mir vor: "Eines Tages möchte ich fähig sein, so etwas zu schreiben!", verstehst du, etwas von Bedeutung - und wenn es die nur für mich hat! Obwohl: Ein paar Leute wird es schon geben, die auf meiner Wellenlänge liegen oder verstehen, woher ich komme.

                                                                                                                                                                                                                                                Michael Schübeler